Stefanie Brkle

Face : Façade // 1995 – 2007

Musterfassade Stresemannstraße / C-Print hinter Diasec / 2001 / 100 x 140 cm // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Bauakademie / C-Print hinter Diasec / 2001 / 100 x 100 cm // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Ausschnitt aus Musterfassade Französische Straße / C-Print hinter Diasec / 2001 / 100 x 100 cm // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassade Alexa // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassade Auswärtiges Amt // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Alte Kommandantur / C-Print hinter Diasec / 2004 / 100 x 140 cm // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Leipziger Platz / C-Print hinter Diasec / 2007 / 100 x 100 cm // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassade Daimler / 2005 // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassade KPM // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassade Bundespressekonferenz / C-Print hinter Diasec / 1999 / 100 x 140 cm // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassade adidas // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassade adidas // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassade Kanadische Botschaft // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassade Daimler // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassade Esplanade // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassade Plattenbau // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassaden // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassade KPMG / C-Print hinter Diasec / 2006 / 100 x 100 cm // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassade SAP / C-Print hinter Diasec / 2004 / 100 x 140 cm // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassade Berliner Ensemble // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassade Daimler/ C-Print hinter Diasec / 2005 / 100 x 140 cm // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassade Daimler // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Musterfassaden Wilhelmstraße // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Topographie des Terrors // © Stefanie Bürkle - VG Bild Kunst

Aufgereiht wie Soldaten stehen sie bis zur endgültigen Entscheidung des Bauherren und Investors an der Baustelle. Der Bauherr soll am Modell 1:1 entscheiden, welches Gesicht für das Geb?ude ihm passend erscheint. Fünf aufwändig gebaute Probest?cke unterschiedlicher Fassadentypen sind auf der Fotografie inmitten aufgew?hlter Erde baulicher Brachlandschaft zu sehen.
Über 30 solcher „Potemkinscher Dörfer“ hat Stefanie Bürkle über die letzten Jahre in Berlin entdeckt und fotografiert. So entstand ein regelrechter Katalog für eine Kulissenstadt, in der wir zwischenzeitlich bereits leben.

Die Welt als Bühne und Konstrukt von Matthias Harder
Fotografie als Dokumentation urbaner Illusionen

Stefanie Bürkles Fotografien von Fassaden- und Bauelementen, die wie herrenlos in Berlin herumzustehen scheinen, wirken wie Bühnenbauten und sind doch bauliche Realitüt. Diese fotografische Inszenierung auf der Abbildungsebene kommt nicht von ungeführ: Bürkle studierte Malerei und Bühnenbild, und ihr künstlerisches Werk ist multimedial angelegt. Das Medium Fotografie führt neben der durchaus dokumentarischen Qualität, unsere Auüenwelt en detail zu schildern, ein künstlerisches Eigenleben in ihrem Bildwerk.

Auf der Baustelle der Bundespressekonferenz entstand 1999 eine Architekturaufnahme mit mehreren Fassadenelementen, die wie Soldaten nebeneinander aufgereiht am Straßenrand stehen. Davor ist schon – oder noch – eine Straßenlaterne am Rand des Bürgersteiges platziert. Wir würden den Ort heute nicht mehr finden, denn jeder Quadratmeter dieses hauptstädtischen Zentrums erlebte umfassende und vielfältige Umschichtungen und nicht zuletzt zahlreiche Kulissenwechsel. Die Kräne im Hintergrund der Fotoarbeit standen an Europas damals größter innerstüdtischer Baustelle, dem Potsdamer Platz. Vergessen sind heute die Diskussionen um Nutzung und Architekturentwürfe, nicht vergessen sind die vielen Mauertoten, die auch hier an der Demarkationslinie zu beklagen waren.
Das Umfeld der Musterfassaden in Bürkles Aufnahme war Niemandsland, Schauplatz langer Spaziergünge entlang der Mauer, filmisch archiviert in Wim Wenders’ „Himmel über Berlin. Heute ist dieser Ort stadtplanerisch komplett verbaut, und die Fassadenelemente als rein temporäre Bauten wurden entsorgt. Doch zuvor blätterten die Architekten und Bauherren für uns in einem Musterbuch für Gebüudeverkleidung, hier allerdings im Maßstab 1:1. Die originalgroßen Modelle erzählen etwas über Oberflächen und Farben, über Materialbeschaffenheit und Proportionen. Die Fassadenüffnungen der Modelle sind Durchblicke ins Nichts; ein abgeschlossener Bereich, ein Raum dahinter existiert nicht. Dafür sind die teilweise dreigeschossigen Musterfassaden nach hinten mit Stelzen abgesichert und bei einem wurde im dritten Stock sogar ein Balkonvorsprung mit eiserner Vergitterung ausgeführt.

Bürkle hinterfragt mit diesen Momentaufnahmen den Reprüsentationsanspruch von Architektur. Hier herrscht kein hektisches Treiben auf der Baustelle, sondern die kontemplative Ruhe des Marginalen, keine architektonische Schwere, vielmehr transitorische Leichtigkeit. Und so visualisiert Bürkle zugleich das Vorher und Nachher einer komplexen baulichen Entwicklung im Einzelbild. Es ist ein offenes und zugleich strenges Bildkonzept.

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