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| Deutsch-Vietnamesische Freundschaft von Joana Breidenbach (Auszug) |
Am liebsten hätte sie ihren Imbiss in Berlin Friedrichshain ja Vietnamesisch-Deutsche-Freundschaft genannt. Weil ihre Familie nun schon fast 20 Jahre in Deutschland lebt und sie sich hier wohl fühlt. Aber dann erschien der Vietnamesin ihr Laden doch zu klein, ihr Deutsch zu schlecht und überhaupt, und so heißt er nun Asia-Euro Imbiss. Das passt, denn auf der Speisekarte wird munter Asiatisches mit Europäischem gemischt, „also alles, was die Deutschen gerne essen“, sprich Frühlingsrollen, Sauerscharfsuppe und natürlich die legendäre Chinapfanne. Über 600 asiatische Schnellrestaurants gibt es in Berlin und dazu noch jede Menge Sushibars, Thai-, China- und Panasia-Restaurants. Ein Eldorado kulinarischer Vielfalt?
Nicht ganz, denn während die Deutschen hinter der Chinapfanne den Chinesen und den Maguro-Makis den Japaner wähnen, sind es meist Vietnamesen, die an Herd und Tresen stehen, und ihre Herkunft hinter dem Etikett „Asia“ verstecken. Anders als in London oder Sydney, wo jeder den vietnamesischen Klassiker Pho und die schmackhaften Reispapierrollen kennt, fehlt es den Vietnamesen in der Restaurant Landschaft deutscher Städte an Profil. Aber wer möchte hierzulande auch schon gerne Vietnamese sein? Denen, die nicht mit den skrupellosen Machenschaften von Zigarettenmafia und Schleuserbanden in Verbindung gebracht werden, haftet der Ruf des Opfers an. Jüngst beklagte der Migrationsbeirat Mahrzahn-Hellerdorf in einer dramatischen Analyse die gescheiterte Integration der Vietnamesen, die in isolierten, ethnischen Nischen neben der Mehrheitsgesellschaft leben und zunehmend unter massiven sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Problemen leiden. Den Erwachsenen fallen ohne Krankenversicherung die Zähne aus, ihre schulpflichtigen Kinder verwahrlosen angesichts der Doppelbelastung aus überzogenem Leistungsdruck und fehlender Hilfestellung seitens der komplett überarbeiteten Eltern.
Die Menschen, die in Stefanie Bürkles Videoinstallation "Loi Chao Tu Hanoi" zu Worte kommen, sprengen dieses simple, nur zwischen Täter und Opfer unterscheidende Erzählmuster.
Auf den ersten Blick ist die Welt von Ha Hong beklemmend klein. Wenn die 49jährige, die gemeinsam mit ihrem Mann Huy in Berlin Friedrichshain das Restaurant Jasminreis betreiben, in einem seltenen Augenblick der Ruhe auf dem Ledersofa unter dem Snoop Dogg Poster im Zimmer ihres Sohnes sitzt und ihre Lebensphilosophie mit „arbeiten, arbeiten, arbeiten“ umreißt, dann beschreibt das treffend den 17 stündigen Arbeitstag der zierlichen Frau mit der quietschblonden Strähne im schwarzen Haar. Selten kommt sie vor drei Uhr nachts nach Hause. Für vietnamesische Freunde und Vereine, geschweige denn Berliner Kultur oder Elternabende bleibt da keine Zeit. Doch einmal im Jahr fährt die ganze Familie für einen Monat in den Urlaub, nach Vietnam, die Verwandtschaft besuchen und von dort weiter nach Thailand, Singapur oder China.Gemeinsam mit dem in Vietnam studierenden älteren Sohn aus erster Ehe haben sie aber auch schon Italien, Frankreich, und Belgien bereist.
Die Dachgeschosswohnung von Dat Vuong setzt die minimalistische Ästhetik des Restaurants mit Kultstatus Monsieur Vuong in Berlin Mitte konsequent fort. Zuhause, berichtet Dat, kocht er am liebsten Italienisch. Seine engen Freunde sind fast alles Deutsche, er liest die Süddeutsche Zeitung, mag Jazz und Klassik, aber seine große Liebe gehört alten vietnamesischen Kampfliedern. Um mit der weltweiten vietnamesischen Diaspora in Kontakt zu bleiben, hört er das amerikanische Vietnamese Public Radio. Dat reist viel, begeistert sich insbesondere für Thailand und möchte in seinem Lokal den Deutschen die schmackhafte und gesunde vietnamesische Küche nahe bringen.
Die Gesprächspartner aus Bürkles Video bilden einen Querschnitt durch die Migrantenszene. Das Spektrum reicht von dem ehemaligen Vertragsarbeiter über die „frische“ Asylbewerberin bis zum Studenten. Und sie alle sind für Überraschungen gut. Denn wer hätte gedacht, dass Kim Anh, die hübsche Blumenverkäuferin, die 1992 als Asylsuchende nach Deutschland kam, ihren zwei erwachsenen Söhnen das Studium in Vietnam finanziert? Ebenso erstaunlich war es für Bürkle bei einem Vietnambesuch festzustellen, dass viele der Daheimgebliebenen ihre in Deutschland lebenden Verwandten bemitleiden. Das Leben in Deutschland sei einfach zu hart, war da mehr als einmal zu hören.
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